7. Wie Jugendliche die Covid-19-Pandemie und die Maßnahmen wahrnehmen

7.7. Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Jugendlichen

Worum es hier geht

Wenn man nur noch zuhause sein darf, kann das zu Einsamkeit führen. Das haben auch viele Jugendliche so empfunden. und sich den Geschehnissen ausgeliefert gefühlt. Covid-19 führte und führt zudem immer wieder zu großer Verunsicherung: viele Jugendliche haben sich den Geschehnissen ausgeliefert gefühlt. Was kommt als Nächstes? Wie geht es weiter? Das gilt insbesondere für junge Menschen, die Pläne für Neues haben: Ein Schulwechsel, der Übergang zur Universität oder ins Berufsleben, ein Jahr im Ausland. Was wird daraus?

Schulabgängerinnen und Schulabgänger plagte der Gedanke, für immer als der Jahrgang abgestempelt zu werden, der wegen der Pandemie leichter als andere zu seinem Schulabschluss gekommen ist. Dabei war die Lage gerade für diese jungen Menschen sehr kompliziert:  Die technische Ausstattung für das digitale Lernen war nicht immer optimal. Manchmal gab es gar keinen richtigen Unterricht – die Schülerinnen und Schüler bekamen nur Aufgaben, die sie selbständig bearbeiten sollten. Auslandsaufenthalte wurden gestrichen. Und viele sahen die Gefahr, dass der Pandemie eine Wirtschaftskrise und damit verbunden eine hohe Jugendarbeitslosigkeit folgen könnte. Dies und die Befürchtung in Zukunft finanziell schlecht dazustehen, hat bei ihnen negativen Einfluss auf das Wohlbefinden.

Während des Lockdowns haben junge Menschen oft viel Zeit zuhause mit der Familie verbracht – und dort zumeist einen guten Ausgleich gefunden: Sie hatten das Gefühl, zur Ruhe zu kommen. Die Gespräche mit Eltern und Geschwistern haben ihnen geholfen, mit der neuen Situation umzugehen, sodass die Pandemiezeit für sie durchaus auch positive Aspekte hatte. Die Unsicherheiten, Sorgen, aber auch die positiven Aspekte während der Pandemie beschreiben wir in diesem Kapitel.

Aus dem Jugendbericht

Die Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 und die Folgen der Pandemie stellen ein Risiko für die psycho-soziale Entwicklung der Jugendlichen dar und können sich negativ auf ihr subjektives Wohlbefinden auswirken (Fegert et al., 2020). Mögliche positive Effekte für ihr subjektives Wohlbefinden sowie Potentiale zur Bildung von Resilienz dürfen jedoch nicht übersehen werden (Dvorsky et al., 2020; Fegert et al., 2020). In diesem Kapitel wird der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen die Pandemie und die Maßnahmen auf die Jugendlichen, ihre Familien und ihr subjektives Wohlbefinden haben.

Die Daten der YAC-Befragung machen deutlich, dass im Juli 2020 die Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19, wie etwa zu Hause bleiben, Maske tragen, Hände waschen oder keine Freunde treffen, für fast die Hälfte (44,9 %) der Jugendlichen weder positive noch negative Veränderungen mit sich brachten. Knapp ein Drittel der Jugendlichen gibt jedoch an, eher oder sehr negative Veränderungen erfahren zu haben. Eher oder sehr positive Effekte werden von den Jugendlichen ebenfalls wahrgenommen – mit 24,1 % allerdings von deutlich weniger (siehe Abbildung 37). In den qualitativen Interviews werden von den Jugendlichen neben Auswirkungen der konkreten Maßnahmen auch Auswirkungen der allgemeinen pandemischen Situation benannt. Im Folgenden wird darauf eingegangen, welche Aspekte die Jugendlichen besonders belasten, welche ökonomischen Auswirkungen sie treffen, aber auch, welche positiven Aspekte sie sehen.

Soziale Isolation und körperliche Distanz

In der Literatur ist bereits gut belegt, dass sich die soziale Isolation infolge der Covid-19-Pandemie auf das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit von Jugendlichen negativ auswirkt (Ali et al., 2020; Calmbach et al., 2020; Dvorsky et al., 2020; Fegert et al., 2020; Hawke et al., 2020). Für viele Jugendliche in Luxemburg war das Confinement eine Zeit der sozialen Isolation, die sie stark belastete. Besonders die Einschränkung der physischen Kontakte zu den Freunden wirkt sich negativ auf ihr subjektives Wohlbefinden aus. Die Beziehungen zu Freunden spielen eine zentrale Rolle im Leben der Jugendlichen, und sie vermissen sowohl gemeinsame Aktivitäten als auch Unterhaltungen mit ihren Freunden. In Gesprächen mit Freunden können sie sich austauschen und Unterstützung bei Problemen finden. All diese Bedürfnisse konnten durch digitalen Kontakt nur bis zu einem gewissen Grad erfüllt werden (siehe Spotlight zu Kapitel 5 und 6). Die 12-jährige Schülerin Eliane, die mit ihren Geschwistern zusammen bei ihren Eltern lebt, schildert, wie sie die Zeit im Confinement erlebt hat.

„Also am Ufank, den éischte Mount war esou: ‚Okay, Corona‘. Zweete Mount war ech esou e bëssche méi: ‚Oh‘. Ech war… Ech hat kee Bock méi doheem de ganzen Zäiten ze sinn. An am drëtte Mount hat ech eng Kéier gekrasch gehat, well meng Kolleege mir ze vill gefeelt haten.

(Eliane, 12 Jahre, 18:7)

Jene Jugendliche, die allein wohnen, empfanden diese Zeit als äußerst schwierig. Ihnen fehlten nicht nur ihre Freunde, sondern generell soziale Interaktionen. Sie fühlten sich einsam, isoliert und beschreiben teilweise negative Auswirkungen auf ihre psychische Gesundheit. Für den erwerbstätigen Gérard, der allein in einem Apartment lebt, war diese Zeit eine große Herausforderung.

„Parce qu’être vraiment tout seul tout le temps, ça va un petit temps, mais sur le très long terme je pense quand même que ça devient problématique.

(Gérard, 27 Jahre, 22:19)

Viele Jugendliche berichten, dass sich die Situation im Sommer 2020 besserte, als sie ihre Freunde wieder treffen konnten. Für einige Befragte stellt die Einhaltung des Sicherheitsabstandes und der daraus resultierende fehlende körperliche Kontakt jedoch weiterhin eine Belastung dar. Es ist für sie nicht leicht, auf das Händeschütteln, Küssen oder die Umarmung bei der Begrüßung zu verzichten, und ihnen fehlt die physische Nähe zu ihren Freunden. Dies berichtet auch der 23-jährige Nic.

„Engem d’Hand ginn, mat Kolleegen maache mir dat och net, […] du géifs natierlech scho gäre mol an den Aarm huelen an richteg fest drécken, well ech och am Fong ee sinn, den dat u sech gäre mécht. Dat ass dann ëmmer e bësse méi schwéier, well du wëlls dann ëmmer gären direkt maachen, an da bass de: ‚Ah nee, awer net’.

(Nic, 23 Jahre, 16:28)

Die Einschränkung der sozialen Kontakte und insbesondere der fehlende physische Kontakt mit Freunden haben für die meisten Jugendlichen den größten negativen Effekt auf ihr subjektives Wohlbefinden.

Das Gefühl, eingesperrt zu sein, und die Einschränkung der Freiheit

Als eine weitere negative Auswirkung des Confinements beschreiben die Jugendlichen das Gefühl, eingesperrt zu sein. Nicht frei zu sein in seinen Entscheidungen und nicht das tun zu können, was man möchte, beeinträchtigt das subjektive Wohlbefinden vieler Befragter. Die Schülerin Josy beschreibt, wie sich die Einschränkung ihrer Freiheit negativ auf ihr subjektives Wohlbefinden auswirkte.

„Mee also fréier dierft ech guer net erausgoen. Also ech dierft ni erausgoe mat Kolleegen an esou. […] Also doheem fillen ech mech e bësschen agespaart, well ech sinn eng… also ech sinn eng Persoun, déi léiwer fräi ass an eraus geet an d’frësch Loft an esou.

(Josy, 12 Jahre, 19:16)

Manche Jugendliche fühlten sich durch das Gefühl, eingesperrt zu sein, so stark beeinträchtigt, dass sie Auswirkungen auf ihre mentale Gesundheit beschreiben. Pauline, eine 22-jährige Studentin, die bereits vor der Covid-19-Pandemie psychische Probleme hatte, vermutet, dass sie psychisch krank geworden wäre, wenn das Confinement noch länger angedauert hätte.

„Also et fillt een sech einfach agespaart, wéi ee Villchen a sengem Käfeg agespaart. Et huet een déi ganzen Zäite Loscht, also ech perséinlech, well ech eng sensibel Persoun sinn, ze kräischen, well een sech seet: ‚Nee, ech wëll endlech eraus‘. Dat dréckt wierklech op dat Mentaalt, well et ass een déi ganzen Zäiten einfach nëmmen traureg. […] Ech sot mer, wann dat méi laang dauert, wéi dat elo ass, ech weess net wat geschitt, mee dann hunn ech eng Depressioun.

(Pauline, 22 Jahre, 5:19)

Mehrere Studien über Jugendliche in Deutschland (Calmbach et al., 2020) und in den USA (GENYOUth, 2020) sowie Kinder in Spanien (Mondragon et al., 2020) kamen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Einschränkung der Freiheit und das Gefühl, eingesperrt zu sein, große Belastungen darstellen.

Verunsicherung bei Übergängen im Bildungsweg und in der Erwerbstätigkeit

Besonders Jugendliche, die sich in einer Übergangsphase befinden, leiden unter unsicheren Zukunftsperspektiven. Dies betrifft Übergänge von der Schule ins Studium, innerhalb des Studiums (etwa vom Bachelor- ins Masterstudium oder Auslandssemester) und von der Ausbildung ins Berufsleben. Ähnliche Ergebnisse finden sich auch in einer Studie über deutsche Jugendliche wieder (Andresen et al., 2020).

Zum Zeitpunkt der Befragung im Sommer 2020 stand für viele der interviewten Jugendlichen noch nicht fest, ob und wie das kommende Jahr an Universitäten und Schulen ablaufen würde. Viele Studierende machen sich Sorgen darüber, ob sie ihr Studium im Ausland überhaupt aufnehmen können. Ob der Unterricht in digitaler Form oder in Präsenz stattfinden wird, beschäftigt und verunsichert sie ebenfalls. Isabelle, die ihre Sekundarschule abgeschlossen hat und kurz vor dem Beginn ihres Studiums steht, beschreibt die Planungsunsicherheit, mit der sie sich konfrontiert sieht.

„Also et ass net schéin, well ech géing awer gäre wëssen, ob ech zum Beispill ugeholl géing ginn oder ob ech eng Wunneng muss siche goen, fir dohinner ze goen. Mee mat der Onsécherheet kann ech nach näischt plangen.

(Isabelle, 18 Jahre, 9:24)

Manche Jugendliche berichten auch von Unsicherheit bei Übergängen im Schulsystem in Luxemburg wie dem Wechsel von der Grundschule in die Sekundarschule oder bei der Wahl eines Fachgebietes. Die Befragten machen sich Gedanken, ob sich der Wegfall oder die Vereinfachung bestimmter Prüfungen negativ auf ihre weitere schulische Laufbahn auswirkt. Sie befürchten in Zukunft stets als Jahrgang stigmatisiert zu werden, der es wegen der Covid-19-Pandemie einfacher hatte, gute Resultate zu erzielen.

Schwierigkeiten bei Praktika, Sommer- oder Teilzeitjobs oder deren Wegfall können einerseits dazu führen, dass sich die Ausbildungsdauer verlängert, andererseits besteht die Gefahr, dass Jugendliche in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Einige Jugendliche machen sich außerdem Sorgen um den Übergang in die Erwerbsarbeit. Elio, ein junger Erwerbstätiger, der im öffentlichen Dienst arbeitet, hat aufgrund der Auswirkungen der Pandemie größere Angst davor, sein Abschlussexamen nicht zu bestehen und spricht in dem Zusammenhang auch die schwieriger gewordene Lage auf dem Arbeitsmarkt an.

„Ech mengen de Marché am Moment ass vläicht e bëssche méi schwiereg, fir dann iergendwou, iergendwann nach eng aner Aarbecht ze fannen, falls ech et wierklech net géif packen. Dat ass e bësschen esou, esou eng kleng Angscht, déi ech hunn. Duerch de Corona, dass déi, duerch d’wirtschaftlech Folgen an […] ‘t ass vill Aarbechtslosegkeet, dass dann do d‘Konkurrenz e bëssche méi haart gëtt. […] Dat gëtt mer nach e bësschen zousätzlechen Drock, wéi deen, wou ech scho fir den Examen ze schreiwen, well ech Angscht, nach méi Angscht hunn doduerch en net ze packen.

(Elio, 28 Jahre, 20:16)

Die ökonomischen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Jugendlichen und ihre Familien

Die Covid-19-Pandemie hat tiefgreifende ökonomische Auswirkungen für einige junge Erwachsene und ihre Familien. Kurzarbeit und die steigende (Jugend-)Arbeitslosigkeit (siehe Kapitel 3) führen zu Einkommensverlusten. Diese Entwicklungen können existenzielle Folgen haben und das subjektive Wohlbefinden und Gesundheitsempfinden beeinträchtigen; insbesondere bei jungen Erwerbstätigen, die mit zunehmendem Alter eher Einkommenssteigerungen als -einbußen erwarten (Alcantara-Ortega et al., 2020). In den Interviews äußern einige Jugendliche ihre Ängste und Sorgen bezüglich einer ökonomischen Rezession und der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Luxemburg.

„Ech hunn éischter Ängschten op long terme fir d‘Ekonomie, well vill Leit awer betraff sinn dovunner, déi net kënne schaffe goen. Wou d’Eltere mussen un sech zu zwee schaffen. Also do sinn ech net am Fall, mee ’t ginn awer Famillen, wou mussen jiddwereen schaffe goen, déi awer net kënnen, well ’t muss een op d’Kanner oppassen. Oder se dierfen net schaffen, well se am Lockdown sinn. An ech denken à long terme wäert dat vill Konsequenzen hunn fir d’Land, déi net einfach z’iwwerkomme sinn.

(Luc, 18 Jahre, 4:5)

In der YAC-Befragung wurden die 16- bis 29-Jährigen gefragt, ob sie zwischen März und dem Erhebungszeitpunkt durch die Covid-19-Pandemie von Kurzarbeit betroffen waren und ob sich ihr Einkommen in dieser Zeit veränderte.

Kurzarbeit kann Beschäftigte hinsichtlich ihrer beruflichen Zukunft verunsichern und ging zum Erhe- bungszeitpunkt mit einer Reduktion des Gehalts auf 80 % einher, wenn der Arbeitgeber diesen Verlust nicht ausglich. Von den jungen Erwachsenen, die in Vollzeit, Teilzeit oder gelegentlich beschäftigt sind, geben 18,4 % an, bis Juli 2020 mindestens eine Woche wegen Covid-19 in Kurzarbeit gewesen zu sein. Junge Männer geben mit 22,8 % häufiger als junge Frauen (12,9 %) an, in Kurzarbeit gewesen zu sein. Junge Erwachsene mit Migrationshintergrund (mind. ein Elternteil eingewandert 17,2 %, selbst eingewandert 23 %) geben ebenfalls häufiger an, mindestens eine Woche in Kurzarbeit gewesen zu sein, als junge Erwachsene ohne Migrationshintergrund (13,1 %). Von Kurzarbeit waren Jugendliche mit niedrigem sozialem Status häufiger betroffen (27,0 %) als Jugendliche mit mittlerem (18,8 %) oder hohem sozialem Status (8,0 %). Der Vergleich der Resultate der YAC-Befragung und der Resultate einer Studie des Statec zeigt jedoch, dass junge Erwachsene nicht häufiger von Kurzarbeit betroffen sind als Personen mittleren und hohen Alters (Sarracino, 2020).

Infolge der Covid-19-Pandemie kann das Einkommen von jungen Erwerbstätigen auch durch den Verlust eines Nebenjobs reduziert werden. Gleichzeitig gibt es während der Covid-19-Pandemie junge Erwachsene, die durch eine Beförderung, das Aufnehmen eines Beschäftigungsverhältnisses oder einen Jobwechsel ihr Einkommen steigern können. 8,5 % der jungen Erwachsenen berichten von einer Verringerung ihres Einkommens zwischen März und Juli 2020. Weitere 7,4 % geben eine Erhöhung des Einkommens an und für 84,1 % blieb das Einkommen stabil. Junge Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status geben mit 16,4 % häufiger als junge Menschen mit hohem sozioökonomischem Status (4,8 %) an, dass sich ihr Einkommen verringerte. Eine Verringerung des Einkommens wird ebenfalls häufiger von jungen Menschen mit Migrationshintergrund (mind. ein Elternteil eingewandert 8 % und selbst eingewandert 10,2 %) angegeben als von jungen Menschen ohne Migrationshintergrund (6,3 %).

Für die ökonomische Situation einer Person ist das Einkommen des Haushaltes, in dem die Person lebt, oft aussagekräftiger als ihr individuelles Einkommen. Das Haushaltseinkommen wird beispielsweise durch das Einkommen der Eltern, das Einkommen des Partners oder das Einkommen der Partnerin beeinflusst. Junge Erwachsene, die nicht allein oder in WGs leben, wurden daher im Rahmen der YAC-Befragung nach Veränderungen ihres Haushaltseinkommens befragt. Der Anteil der Jugendlichen, die eine Verringerung des Haushaltseinkommens berichten, ist mit 18,1 % höher als der Anteil der Jugendlichen, die eine Erhöhung berichten (6,4 %). Das Haushaltseinkommen blieb stabil für 75,6 % der Jugendlichen, die nicht allein oder in WGs leben. Eine Verringerung des Haushaltseinkommens wurde häufiger von jungen Menschen mit Migrationshintergrund angegeben als von jungen Menschen ohne Migrationshintergrund sowie häufiger von jungen Menschen mit niedrigem als mit hohem sozioökonomischem Status.

Eine Studie von O’Connor und Peroni (2020) zu den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie in Luxemburg bestätigt einen Zusammenhang zwischen Verschlechterungen der psychischen Gesundheit und Verringerungen des Einkommens. Es ist daher wahrscheinlich, dass Kurzarbeit und/oder eine Verringerung des Einkommens für einige junge Erwachsene zu einer Verminderung des subjektiven Wohlbefindens führt.

Mehr Zeit für sich und die Familie: ein positiver Aspekt der Pandemie

Die Pandemie und die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus haben nicht nur negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Jugendlichen. So nehmen laut der YAC-Befragung 24,1 % der Jugendlichen positive oder sehr positive Auswirkungen wahr. In den qualitativen Interviews wird deutlich, was sich positiv auf die Jugendlichen ausgewirkt hat. Viele Jugendliche schätzen die zusätzliche Zeit, die sie während des Confinements für sich selbst zur Verfügung hatten. Sie nutzten die Zeit, um über sich selbst und ihre Situation zu reflektieren oder zur Ruhe zu kommen. Vera führt ihre bessere Gesundheit auf die niedrigere Stressbelastung während des Confinements zurück.

„Also ech war manner krank ewéi soss. Also soss war ech alt nach…, ech hat nach hei eng Gripp oder do war ech erkaalt, dat kënnt bei mir ganz schnell. Mee lo war ech wierklech déi ganzen Zäit duerch gesond. […] Ech mengen, soss war et warscheinlech och, ech ka mir virstelle mam Stress vun der Schoul, mam Sport a well ech ni wierklech esou Rou hat. An lo hunn ech op eemol esou vill Rou a mäi Kierper ass guer net am Stress.

(Vera, 20 Jahre, 13:13)

Manche Jugendliche beschreiben positive Auswirkungen auf ihr subjektives Wohlbefinden, weil sie zusätzliche Zeit zur Verfügung haben, um eigenen Interessen nachzugehen. Dies können Hobbys sein, Videotelefonate mit Freunden oder neue Aktivitäten. Am deutlichsten wird dies bei der gemeinsamen Zeit mit der Familie. Wie im Spotlight zu Kapitel 6 beschrieben, werden die vermehrten Möglichkeiten, Zeit mit Eltern und Geschwistern zu verbringen, von vielen Jugendlichen positiv bewertet. Der 14-jährige Schüler Noah zählt verschiedene positive Entwicklungen durch das Confinement auf. Er hebt im weiteren Verlauf des Interviews hervor, dass er froh ist, im Confinement mehr über seine Familie erfahren zu haben.

„Also ech hunn natierlech nei Leit kennegeléiert. Ouni den Confinement géif ech déi net kennegeléiert hunn zum Beispill. Ech hunn och baken an kache geléiert, ouni de Confinement géif ech dat och net maachen. An esou weider. Jo, also esou vill Zäit mat der Famill hätt ech villäicht och net esou vill. Well meng Eltere schaffen, meng Schwëster schafft elo och e bësschen. Ech sinn an der Schoul, also jo.

(Noah, 14 Jahre, 7:30)

In verschiedenen internationalen Studien wird ebenfalls auf positive Auswirkungen der Covid-19-Pandemie verwiesen, insbesondere auf das Zusammenleben in der Familie und die Verfolgung persönlicher Interessen (Ali et al., 2020; Branquinho et al., 2020; Mondragon et al., 2020). Die zusätzliche Zeit, die Jugendliche mit ihrer Familie verbringen und die sie persönlichen Interessen widmen, kann nach Dvorsky et al. (2020) und Fegert et al. (2020) die Entwicklung von Resilienz fördern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Jugendlichen sowohl negative als auch positive Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf ihr subjektives Wohlbefinden identifizieren. Als Belastungen nehmen sie vor allem die soziale Isolation und den fehlenden Kontakt zu Freunden, das Gefühl, eingesperrt zu sein, sowie unsichere Zukunftsperspektiven wahr. Darüber hinaus hat die Pandemie für viele Jugendliche nicht zu vernachlässigende ökonomische Folgen. Positive Entwicklungen sehen sie vor allem in der vermehrten Zeit, die sie für sich selbst, eigene Interessen und ihre Familie zur Verfügung haben.