6. Welche Bedeutung das soziale Umfeld für das Wohlbefinden der Jugendlichen hat: Familie, Freunde, Schule und weitere Lebensbereiche

6.3.2. Jugendhäuser: Vertrauensvolle Beziehungen und die Interaktion mit Gleichaltrigen

Jugendhäuser bieten als lokale Anbieter der Offenen Jugendarbeit einen freiwilligen Begegnungs- und Bildungsort für Jugendliche in einem außerschulischen Kontext. Insgesamt gibt es in den luxemburgischen Gemeinden 52 Jugendhäuser. In den Jugendhäusern sind insgesamt 6.194 jugendliche Mitglieder aktiv (Ministère de l’Éducation nationale, de l’Enfance et de la Jeunesse [MENJE], 2019 [interne Datentabelle]).3 Die Offene Jugendarbeit der Jugendhäuser ist an den Prinzipien der Freiwilligkeit, Offenheit, Lebensweltorientierung und Selbstbestimmung ausgerichtet. Dabei sind die Handlungsfelder sehr vielfältig. Sie reichen von dem Umgang mit kultureller Heterogenität, dem Erwerb von sozialen und kommunikativen Kompetenzen, geschlechtsspezifischen Ansätzen der Mädchen- und Jungenarbeit bis hin zu Partizipation und demokratischer Bildung (Biewers, 2011). Dazu gehört auch die Förderung von Wohlbefinden und Gesundheit als ein wichtiges Handlungsfeld in der Offenen Jugendarbeit. Die Daten zu den Aktivitäten der Jugendhäuser im Jahr 2019 zeigen, dass von allen angebotenen Aktivitäten die Aktivitäten in den Bereichen „Körperbewusstsein, Bewegung und Gesundheit“ sowie „Emotionen und soziale Beziehungen“ die höchsten Teilnehmerzahlen ausweisen (MENJE, 2019 [interne Datentabelle]). Damit stellen die Jugendhäuser für ihre Besucher ein wichtiges Angebot bereit, das förderlich für ihr subjektives Wohlbefinden und ihr Gesundheitsempfinden sein kann. Ausgehend von den Daten der qualitativen Befragung wird im Folgenden aufgezeigt, wie die Besucher von Jugendhäusern diese Angebote bewerten und inwieweit diese in einem Zusammenhang mit ihrem subjektiven Wohlbefinden stehen.

Vertrauensvolle Beziehungen zum Erziehungspersonal

Das Erziehungspersonal wird von den befragten Jugendlichen als besonders unterstützend beschrieben. Sie haben für viele Jugendliche ein offenes Ohr für ihre Probleme und Sorgen. Zudem erwähnen viele Jugendliche, dass die Erzieher für sie wichtige Vertrauenspersonen sind, denen sie z. T. mehr erzählen können als ihren Eltern. Die Jugendlichen schätzen es, dass sie eine Möglichkeit haben, über ihre Probleme zu reden und Rat zu erhalten. Die pädagogische Arbeit der Erzieher fördert somit häufig das Wohlbefinden der Jugendlichen.

„Hei am Jugendhaus, ech géif soen all déi Educateuren hei, déi, si hëllefen mer och ganz vill! Bis elo all déi kleng Problemer, wou ech hat, wou ech wollt driwwer schwätzen, waren se ëmmer do, se hunn souguer nom Schaffen eng Kéier a jo!

(Sophia, 14 Jahre, 5:13)

In manchen Fällen füllen Erzieher eine Lücke, die entsteht, wenn sich Jugendliche von ihren Eltern ablösen, Probleme mit ihnen haben oder sich diese nicht um sie kümmern können. Die Erzieher nehmen für Jugendliche dann eine wichtige Beraterfunktion ein. Sie können sich gut in die Jugendlichen hineinversetzen und Lösungsvorschläge vermitteln. Da viele Jugendliche im Jugendhaus an der Schwelle zwischen Schule und einer Berufsausbildung stehen, nehmen sie Beratungsangebote der Berufsorientierung oder Hilfe bei Bewerbungen für eine Arbeitsstelle häufig in Anspruch.

„D’lescht Joer hunn ech mech missten entscheeden, wat fir e Beruff ech zum Beispill wëll ausüben. An da sinn ech heihinner komm: ‚Jo, wat mengt dir dann? Wat géif bei mech passen?‘ an esou. Do hu si mir Virschléi gemaach, an dann hunn ech och een dovunner esou an sech gemaach, well ech mech informéiert hunn einfach iwwert dee Beruff, an dann hunn ech probéiert dat dann esou ze maachen.

(Gilles, 15 Jahre, 13:16)

Wohlbefindensfördernde Freizeitgestaltung mit Gleichaltrigen

Die Offenheit und die Vielfalt der Angebote in den Jugendhäusern werden von den Jugendlichen größtenteils als positiv bewertet. Dies kann damit zusammenhängen, dass die Jugendarbeit in den Jugendhäusern wenig pädagogisch vorstrukturiert ist und sich durch ein hohes Maß an Mitbestimmung durch die Jugendlichen auszeichnet. Mit ihrem offenen Konzept sind die Angebote der Jugendhäuser zudem auf alle Jugendlichen aus dem jeweiligen Einzugsgebiet ausgerichtet und sprechen damit eine breite Adressatengruppe an (Willems et al., 2013).

Die Jugendhäuser bieten ihren Besuchern zudem vielfältige Möglichkeiten der aktiven Freizeitgestaltung. Die meisten Jugendlichen besuchen ein Jugendhaus, um andere zu treffen, an gemeinsamen Aktivitäten teilzunehmen und sich auszutauschen. Die verschiedenen Möglichkeiten der gemeinschaftlichen Aktivitäten, wie etwa Computer spielen, Billard oder Kicker spielen sowie Kochen, werden von den Jugendlichen besonders geschätzt.

„Ech kommen ëmmer no der Schoul, also nodeem s ech d’Hausaufgaben an sou alles gemaach hunn, heihinner, an da schwätzt een eben hei, spillt een eng Ronn Kaarten oder sou, a freides gi mer dann, also am Wanter gëtt ëmmer gekacht an sou, an am Summer gi mer ëmmer an de Bësch grillen.

(Marcel, 14 Jahre, 49:35)

Auch den Austausch mit den anderen Jugendlichen schätzen die Jugendlichen am Jugendhaus. Obwohl sich die Jugendlichen untereinander manchmal nicht gut kennen, wird ein offener und respektvoller Umgang miteinander gepflegt. Dies heben die Besucher als positiv hervor.

„Wat ech positiv fannen, ass, dass am Fong d’Leit, déi hei eropkommen, och wann mer se net kennen, mir soen eis einfach géigesäiteg Moien, a mir léieren eis net direkt kenn…, also mir léieren eis lo net all direkt kennen oder sou, mee hei sinn awer also, hei si Manéieren, also hei hunn mer Manéieren an sou.

(Tatiana, 17 Jahre, 8:53)

Neben den Angeboten im Jugendhaus sowie dem Erziehungspersonal sind die anderen Jugendlichen im Jugendhaus somit ein weiterer bedeutender Faktor, der maßgeblich zum Wohlbefinden der Jugendhausbesucher beiträgt.


3 Diese Daten basieren auf Selbstauskünften der Jugendhäuser. Trotz der Erfassung über ein standardisiertes Instrument werden die Daten je nach Jugendhaus teilweise unterschiedlich erfasst.